Foto © Edward Greiner
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ohne Titel (2025)
Ätzungen auf 1,5mm Aluminium,
Holzrahmen
25 x 34 cm
Studie für C. / nirgends #2 (2025)
Studie für C. / nirgends #1 (2025)
Diptychon
Öl, Acryl, Buntsift auf Leinwand
säurebehandelter Aluminiumrahmen
je 21 x 25 cm
Serie von 5 Gemälden
Studie für C. / nirgends #2 (2025)
Studie für C. / nirgends #1 (2025)
Diptychon
Öl, Acryl, Buntsift auf Leinwand
säurebehandelter Aluminiumrahmen
je 21 x 25 cm
Serie von 5 Gemälden
geboren am (2024)
Ätzungen auf 1,5mm Aluminium,
Holzrahmen
25 x 34 cm
Studie für C. / nirgends #3 (2025)
Öl, Acryl, Buntsift auf Leinwand
säurebehandelter Aluminiumrahmen
21 x 25 cm
gestorben am (2024)
Ätzungen auf 1,5mm Aluminium,
Holzrahmen
25 x 34 cm
Studie für C. / nirgends #4 (2025)
Studie für C. / nirgends #5 (2025)
Diptychon
Öl, Acryl, Buntsift auf Leinwand
säurebehandelter Aluminiumrahmen
je 21 x 25 cm
Serie von 5 Gemälden
01/X
01/X
→[2025]
Solo Show
Malerei
Installation
Hamburg
↓
In seiner künstlerischen Praxis beschäftigt sich Botschen mit der Entstehung von Identitäten. Ausgehend vom sogenannten Ahnenpass seines Urgroßvaters seziert er die Ideoligien und Strukturen, die Identität und Identifikation zugrunde liegen. "Jede Identität muss oder will bewiesen werden" - dieser Satz reflektiert die tiefgehende Auseinandersetzung mit der Macht von Symbolen und Bildern, wie z.b. der Macht eines Passes. Botschen löst die beglaubigte Schrift aus ihrem historischen Kontext und verwandelt sie in ein ornamentales Eigenleben. Damit löst er das Objekt aus seiner ursprünglichen Funktion des "Identität-Gebens"
In seiner künstlerischen Praxis beschäftigt sich Botschen mit der Entstehung von Identitäten. Ausgehend vom sogenannten Ahnenpass seines Urgroßvaters seziert er die Ideoligien und Strukturen, die Identität und Identifikation zugrunde liegen. "Jede Identität muss oder will bewiesen werden" - dieser Satz reflektiert die tiefgehende Auseinandersetzung mit der Macht von Symbolen und Bildern, wie z.b. der Macht eines Passes. Botschen löst die beglaubigte Schrift aus ihrem historischen Kontext und verwandelt sie in ein ornamentales Eigenleben. Damit löst er das Objekt aus seiner ursprünglichen Funktion des "Identität-Gebens" und hinterfragt die individuelle und gesellschaftliche Bedeutung des Dokuments. Somit setzt sich Botschen mit den Mechanismen von Fremd- und Selbstzuschreibung auseinander. [...]
nicht wirklich - Sasha Levkovich
Das Selbst ist ein Nebel – ein fluktuierendes Gefüge aus spiegelnden Tropfen, durch Lichtbrechung sichtbar, das jeder Berührung entgleitet, auch wenn es noch so greifbar scheint. Eine Wolke aus Momenten, Verbindungen, Erinnerungen – viele in einem. Sie verdichtet sich durch Sprache, bewegt sich durch Beziehungen, haftet an Wünschen und Träumen, legt sich über Geschichten und Mythen ihrer Welt. Immer im Fluss, nie endgültig geformt – und dennoch stets präsent.
Identifizierung ist ein Versuch, diese Wolke zu fassen: sie in Form zu pressen, ihre flatternden, für unpassend erklärten Umrisse abzuschneiden, sie zu besiegeln und mit einem eindeutigen Namen zu versehen. Eine somit gewonnene Identität schafft Sichtbarkeit, ermöglicht es, Vielfältigkeit und Differenz zu reflektieren und Ungleichheiten entgegenzutreten. Doch dieselbe Sichtbarkeit bedeutet auch bürokratische Erfassbarkeit – die Einschreibung des Subjekts in eine Ordnung, die bestimmt, was zu gelten hat. Eine Ordnung die jederzeit in der Lage ist, einzelne Facetten oder ganze Identitäten für unerwünscht zu erklären oder sogar strafbar zu machen.
Marc Botschen beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit den Brüchen solcher Identitäten und den Unzulänglichkeiten der Identifikationsprozesse, auf denen sie aufbauen. Ein zentraler Gegenstand seiner Auseinandersetzung ist dabei der sogenannte Ahnenpass seiner Urgroßvaters – ein bürokratisches Dokument der NS-Zeit, da dem genealogischen Nachweis „arischer“ Herkunft diente.
Für seine Serie von mit Säure behandelten Aluminiumobjekten wurden Seiten des Originaldokuments digitalisiert, die Textpassagen übereinander geschichtet, bis Schrift und Grafik sich zu ornamentalen Strukturen verdichten. Diese dienten als Vorlage für die Einätzungen in Aluminiumplatten. Durch die Säurebehandlung übertragen sich dabei nicht nur die grafischen Elemente, sonder auch zufällige und nebelartige Korrosionsspuren – Spuren, die das aufgelöste Dokument wie Säurewolken durchwabern.
Aus skelettierten Schriften wachsen Motive, die an Schlingpflanzen oder Wälder erinnern – Spuren eines Versuchs, das Lebendige in ein Raster zu zwingen. Doch genau darin zeigt sich das Scheitern: Die Ätzungen offenbaren nicht nur die Gewalt der Formierung, sondern auch deren Brüchigkeit. Der Identitätsnachweis entlarvt sich als das, was er ist – einer Perversion von Gemeinschaft und Zugehörigkeit.
Die Objekte verweisen auf Formen familiärer Repräsentation und treten in einen Dialog mit klassisch gemalten Porträts der Schwester des Künstlers. Währen die Ölmalereien konkrete Figuration anbieten, zeigen sich die Aluminiumobjekte als abstrakte Speicher ideologischer Einschreibungen. Die Nähe und Körperlichkeit der Porträtierten steht im Kontrast zu der glatten Kälte des Metalls. Doch die räumliche Positionierung der Gemälde greift das ornamentale Motiv wieder auf – ebenso wie die rötlichen Schatten im Gesicht der Frau die korrosiven Wolken der Metallobjekte spiegeln. Eine flüchtige Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft einer Familie.
Die Arbeiten beleuchten das komplexe Geflecht, welches jedes Individuum ausmacht. Sie zeigen Historie als eine Art gespenstisches Raster, als abstrakte Muster mit ideologischer Projektion. In ihnen erscheint die sogenannte Ordnung als das, was sie ist: ein Symbol, ein ideologisches Konstrukt, das sich als natürliche Gegebenheit ausgibt. Vielleicht ist das Reale keine Wüste, wie Baudrillard es vorschlug, sondern eine archäologische Grube voller Ideologien und ihrer Opfer.
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